Archiv für Mai 25th, 2009

Gelungener Auftakt

Montag, 25 . Mai 2009

Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in der Burg Gemen

ausgelassene Stimmung beim Auftaktkonzert

ausgelassene Stimmung beim Auftaktkonzert

Im ausverkauften festlichen Rittersaal der Burg Gemen präsentierte sich zum Auftakt der Konzertreihe “Burgen - Schlösser - Virtuosen” das Amadeus Kammerorchester in Hochform. Den Auftakt bildete die erste Streichersinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein Frühwerk des erst 12 jährigen Felix Mendelssohn, der laut Brief von Lea Mendelssohn im Jahre 1821 besonders produktiv war. “Seine [Felix] Produktivität ist wirklich zu bewundern; seit einem Jahr hat er zwei Opern geschrieben, die dritte ist zur Hälfte fast fertig; außerdem einen vier- und fünfstimmigen Psalm für die Akademie [und] sechs Symphonien nach Art der alten, ohne Blasinstrumente.” Das Kammerorchester spielte das satztechnisch heikle Werk unter der Stabführung von Felix Reimann mit grazieler Leichtigkeit und klassischer Eleganz. Die Vielseitigkeit des jungen Mendelssohn ist zu bewundern und macht neugierig auf die weiteren vier Sinfonien
(Nr. 2/3/4/8) die das Amadeus Kammerorchester zum Mendelssohnjahr in den
nächsten Konzerten vorstellen wird.

Ein Meisterwerk der Barockzeit ist Georg Phillipp Telemanns “Wassermusik” oder auch die “Hamburgsche Ebb und Fluht”. Sie stammt aus dem Jahr 1723 und wurde zum 100jährigen Bestehen der Hamburgischen Admiralität uraufgeführt. Das erstaunlich moderne Werk löst die bekannten Tanzformen wie Gigue, Menuet oder Bourrée völlig auf und stellt die klangmalerischen Effekte aufs Ungewöhnlichste in den Mittelpunkt. Und gerade hier konnte das Amadeus Kammerorchester seine Rafinesse zeigen. Die Gegensätze der einzenlnen Sätze wurden brillant herausgearbeitet ohne dabei den großen Spannungsbogen zu verlieren. So waren “Der stürmende Aeolus” oder die “Ebbe und Fluth” tatsächlich erfahrbar.

Artyom Dervoed und Bettina Hartl

Artyom Dervoed und Bettina Hartl

Nach der Pause gab es einen außergewöhnlichen musikalischen Leckerbissen. Astor Piazzollas Concerto für Gitarre, Bandoneon und Orchester 1985 in Liège uraufgeführt gehört sicherlich nicht ins Standardprogramm von Orchesterkonzerten. Mit Artyom Dervoed, Gitarre und Bettina Hartl (Bandoneon) hatte man ein hervorragendes Duo für dieses Konzert gefunden. Die Berlinerin Bettina Hartl stellte dem Publikum charmant das Bandoneon vor, das eben kein argentinisches Instrument ist, sondern eine deutsche Erfindung aus dem Erzgebirge um 1850. Über den Seeweg gelangte das Instrument dann nach Argentinien, wo es maßgeblich die moderne Tangomusik beeinfußte. Sie spielt dieses Instrument mit großer Intensität und entlockt ihm eben die, für Piazzollas Musik so typische Melancholie. Artyom Dervoed, Gewinner des Michele Pittaluga Wettbewerbs 2006 ist Stipendiat der Carl Richard von Dörken Stiftung war ihr ein ebenbürtiger Partner. Das Zusammenspiel der beiden Solisten verschmolz bereits in der Introduction einer Solokadenz der beiden Solisten. Frenetischer Applaus belohnte Solisten und Orchester.

Mit Edward Elgars Streicherserenade Op. 20 e-moll beendete das Orchester mit intimen und schwebenden Streicherklängen das gelungene Auftaktkonzert. Das begeisterte Publikum forderte eine Zugabe.

bis auf den letzten Platz gefüllt der Rittersaal der Burg Gemen

bis auf den letzten Platz gefüllt der Rittersaal der Burg Gemen