Der Abschied kam in Raesfeld
Mittwoch, 24 . Juni 2009Das Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in Schloss Raesfeld
Beim letzten Konzert der Reihe Sommer-Schlösser-Virtuosen spielte das Amadeus Kammerorchester Dortmund unter der Leitung von Dirigent Felix Reimann ein überwiegend klassisches Programm im ausverkauften Rittersaal von Schloss Raesfeld.

Paolo Mendes spielt Haydns 1. Hornkonzert D-Dur
Mit Paolo Mendes präsentierte die Carl-Richard von Dörkenstiftung wiederum ein Star von Morgen. Der junge Hornist, der bereits zahlreiche internationale Preise gewonnen hatte, spielte das erste Hornkonzert von Joseph Haydn mit sensibler Leichtigkeit. Sein klarer Ton trug ebenso wie das filigrane Spiel des begleitenden Orchesters dazu bei, daß das Konzert wie lichtdurchflutet erschien. Das Konzert belegt außerdem die große Meisterschaft Haydns spezifische Instrumenteneigenschaften als natürlichen Bestandteil einer völlig neuartigen Musik zu integrieren. Das Publikum dankte dem jungen Solisten mit stürmischem Applaus.
Mozarts Konzert Es-Dur KV 271 wird fälschlicherweise das “Jeunehomme” Konzert genannt. Auf Grund von historischen Übertragungsfehlern ging man lange von diesem Namen aus. Mitlerweile weiß man aus einem Brief Mozarts an seinen Vater von 1777, daß er selbst das Konzert “Jenomy” nannte. Dies bezieht sich nach dem Mozartforscher Dr. Lorenz auf die Tochter des Mozartfreundes Jean George Noverre, Victoire Jenamy.

Amina Taikenowa - Klavier
Der Abschied kam in Raesfeld
Offensichtlich, um sich von der gelungenen Konzertreihe gebührend zu verabschieden, hatte das Orchester zum Abschluss des Konzertes Joseph Haydns Sinfonie Nr. 45 fis-moll aufs Programm gesetzt. Diese Sinfonie ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Schon die Tonart fis-moll ist einzigartig und der Kopfsatz überrascht durch sein dramatisch absteigendes Akkordmotiv und die dagegengestellten Synkopen, die dem Satz etwas verzweifelt peitschendes geben. Bewußt stellten die Musiker den Gegenastz zum zweiten Thema des Kopfsatzes her, das in klagender Manier wie ein unabhängiges Intermezzo dasteht. Der langsame Satz, mit sordini bei den hohen Streichern - fahl im Klag, wirkt wie eine Traumsequenz. Wunderbar dann die Bläser im leichtfüßigen Menuet. Haydn unterbricht dann das Finale presto plötzlich mit einem scharfen Akkord auf der Dominante - nur das Horn spielt einen Signalton und jetzt folgt wiederum ungewöhnlich ein Abschluss Adagio in einer neuen Tonart. Hierbei verlassen nun nach und nach alle Musiker das Podium, die Musik verabschiedet sich im wahrsten Sinne des Wortes bis schließlich die beiden Soloviolinen das Konzert beenden. Mit diesem musikalischen Experiment konnte seinerzeit Haydn dem Fürsten Esterhazy klarmachen, daß es Zeit war den Musikern Urlaub zu geben, um die daheim verweilenden Familien wiederzusehen. Das teilweise überraschte Publikum in Raesfeld reagierte amüsiert und mit frenetischem Applaus.

Begeisterter Schlssapplaus im ausverkauften Rittersaal
Dirigent Felix Reimann bedankte sich beim Kreis Borken und der Carl Richard von Dörken Stiftung für die Ausrichtung der Reihe und ließ zum Abschluss ein weiteres Mal schmunzeln bei Johann Strauss’ Pizzicatopolka.









