Archiv für Juni, 2009

Der Abschied kam in Raesfeld

Mittwoch, 24 . Juni 2009

Das Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in Schloss Raesfeld

Beim letzten Konzert der Reihe Sommer-Schlösser-Virtuosen spielte das  Amadeus Kammerorchester Dortmund unter der Leitung von Dirigent Felix Reimann ein überwiegend klassisches Programm im ausverkauften Rittersaal von Schloss Raesfeld.

Nach den frühen Streichersinfonien 1 - 4 von Felix Mendelssohn Bartholdy in den vorangegangenen Konzerten, hatte man für dieses Konzert seine Streichersinfonie Nr. 8 D-Dur aufgelegt. Die bedeutend umfangreichere viersätzige Sinfonie zeigt einen gewaltigen Entwicklungssprung des 12-jährigen Felix Mendelssohn. Wiederum erstaunlich die Ideenvielfalt innerhalb der einzelnen Sätze. Die beiden virtuosen Ecksätze umrahmen ein erstaunlich dunkles und trauriges Adagio, das allein den tiefen Streichern vorbehalten ist - sowie ein Menuetto, das im Trio ebenfalls durch ein furioses Zwischenscherzo völlig aus dem zu erwartenden Rahmen fällt. Das Amadeus Kammerorchester spielte intonatorisch sicher mit meisterlicher Eleganz.
 

Paolo Mendes spielt Haydns 1. Hornkonzert D-Dur

Paolo Mendes spielt Haydns 1. Hornkonzert D-Dur

Mit Paolo Mendes präsentierte die Carl-Richard von Dörkenstiftung wiederum ein Star von Morgen. Der junge Hornist, der bereits zahlreiche internationale Preise gewonnen hatte, spielte das erste Hornkonzert von Joseph Haydn mit sensibler Leichtigkeit. Sein klarer Ton trug ebenso wie das filigrane Spiel des begleitenden Orchesters dazu bei, daß das Konzert wie lichtdurchflutet erschien. Das Konzert belegt außerdem die große Meisterschaft Haydns spezifische Instrumenteneigenschaften als natürlichen Bestandteil einer völlig neuartigen Musik zu integrieren. Das Publikum dankte dem jungen Solisten mit stürmischem Applaus.

Mozarts Konzert Es-Dur KV 271 wird fälschlicherweise das “Jeunehomme” Konzert genannt. Auf Grund von historischen Übertragungsfehlern ging man lange von diesem Namen aus. Mitlerweile weiß man aus einem Brief Mozarts an seinen Vater von 1777, daß er selbst das Konzert “Jenomy” nannte. Dies bezieht sich nach dem Mozartforscher Dr. Lorenz auf die Tochter des Mozartfreundes Jean George Noverre, Victoire Jenamy.

Amina Taikenowa - Klavier

Amina Taikenowa - Klavier

Amina Taikenowa, die zum zweiten Mal in Raesfeld auftrat, spielte das Konzert brillant und mit einem leichten Mozartanschlag. Die junge Russin legte den zweiten Satz sehr träumerisch an, ging dann aber um so spielfreudiger und virtuos an den - von Mozart mit so unglaublich ideenreichen Eingängen und Kadenzen - ausgestatteten Finalsatz heran. Das Orchester und sein Leiter Felix Reimann bewiesen auch hier wieder äußerst feinfühlige Begleitqualitäten und präsentierten beinahe sinfonischen Klang in den ausladenden Orchesterzwischenspielen. 

Der Abschied kam in Raesfeld

Offensichtlich, um sich von der gelungenen Konzertreihe gebührend zu verabschieden, hatte das Orchester zum Abschluss des Konzertes Joseph Haydns Sinfonie Nr. 45 fis-moll aufs Programm gesetzt. Diese  Sinfonie ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Schon die Tonart fis-moll ist einzigartig und der Kopfsatz überrascht durch sein dramatisch absteigendes Akkordmotiv und die dagegengestellten Synkopen, die dem Satz etwas verzweifelt peitschendes geben. Bewußt stellten die Musiker den Gegenastz zum zweiten Thema des Kopfsatzes her, das in klagender Manier wie ein unabhängiges Intermezzo dasteht. Der langsame Satz, mit sordini bei den hohen Streichern - fahl im Klag, wirkt wie eine Traumsequenz. Wunderbar dann die Bläser im leichtfüßigen Menuet. Haydn unterbricht dann das Finale presto plötzlich mit einem scharfen Akkord auf der Dominante - nur das Horn spielt einen Signalton und jetzt folgt wiederum ungewöhnlich ein Abschluss Adagio in einer neuen Tonart. Hierbei verlassen nun nach und nach alle Musiker das Podium, die Musik verabschiedet sich im wahrsten Sinne des Wortes bis schließlich die beiden Soloviolinen das Konzert beenden. Mit diesem musikalischen Experiment konnte seinerzeit Haydn dem Fürsten Esterhazy klarmachen, daß es Zeit war den Musikern Urlaub zu geben, um die daheim verweilenden Familien wiederzusehen. Das teilweise überraschte Publikum in Raesfeld reagierte amüsiert und mit frenetischem Applaus.   

 

Begeisterter Schlssapplaus im ausverkauften Rittersaal

Begeisterter Schlssapplaus im ausverkauften Rittersaal

Dirigent Felix Reimann bedankte sich beim Kreis Borken und der Carl Richard von Dörken Stiftung für die Ausrichtung der Reihe und ließ zum Abschluss ein weiteres Mal schmunzeln bei Johann Strauss’ Pizzicatopolka.

Ein Gefühl von Sanssouci

Dienstag, 16 . Juni 2009

Das Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in der Wasserburg Anholt

Groß war der Andrang des Publikums beim vierten Konzert des Amadeus Kammerorchester Dortmund unter der Leitung seines Dirigenten Felix Reimann in der Reihe Sommer-Schlösser-Virtuosen. So groß, dass etliche Besucher leider keine Karten mehr ergattern konnten.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersinfonie Nr. 4, e-moll eröffnete das Orchester auch dieses Mal mit einem Frühwerk des Romantikers. Dabei ist diese Sinfonie noch ganz in der Tradition der Barockmusik - ein Studie des Zwölfjährigen - möglicherweise stand hier sogar Bach Pate, der ja im Hause Mendelssohn äußerst verehrt und viel musiziert wurde. Mit einem stolzen Grave im doppelpunktierter Manier beginnt der Kopfsatz und setzt mit einem fugaten von Tonleiterketten durchzogenen Allegro fort. Im folgenden Andante erfand der junge Komponist eine schier nie enden wollende Melodie, die sich schwebend auf einem lichten Gewebe von wiegenden Streicherakkorden fortbewegt. Der strenge und gleichzeitig stürmische Finalsatz fordert - durch eine Vielzahl an halsbrecherischen Trillern - höchste Virtuosität. Das Kammerorchester bewies auch hier wieder sein spieltechnisch hohes Niveau. 

ein Hauch von Sanssouci im Rittersaal zu Anholt

ein Hauch von Sanssouci im Rittersaal zu Anholt

Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert d-moll für Oboe, Violine und Orchester BWV 1060 ist eines der berühmtesten Werke des Barockmeisters. Ein besonderes Glück ist, wenn alle anspruchsvollen Partien dieses Concerto grosso bestens besetzt wurden wie bei diesem Konzert. Die beiden jungen Solisten Stephanie Treichl (Oboe) und Andrey Rozendent (Violine) spielen mit jugendlicher Frische und einem Selbstverständnis, daß es einem beinahe den Atem raubt. Das Orchester ließ sich nicht bitten und so wurde das Concerto zu einem berauschenden Bacherlebnis.

Barbara Kortmann (Flöte)

Barbara Kortmann (Flöte)

Wo könnte man sich Johann Joachim Quantz Konzert für Flöte besser vorstellen, als im reichbebilderten Rittersaal der Wasserburg Anholt? Quantz - Lehrer von Friedrich dem Großen in Sanssouci - komponierte dieses Werk für den Preussenkönig und viele Konzertbesucher hatten sicherlich das berühmte Menzelbild vor Augen, auf dem man den König zwischen Kerzenleuchtern spielen sieht (Quantz steht auf Menzels Bild übrigens ganz rechts außen.) Mit Barbara Kortmann (Flöte) hatte man auch für dieses Konzert eine Meisterin ihres Instrumentes gewinnen können. Mit innigem Körpereinsatz spielt sie virtuos und gestaltete die drei Sätze differenziert mit einem flexiblen Flötenton.

Einen innigen Moment erreichte das Konzert mit Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria Puccinis “I Crisantemi”. Das ursprünglich für Streichquartett vorgesehene Werk eignet sich wunderbar für das zarte Streichergewebe des Amadeus Kammerorchesters. Dem Grafen von Aosta Amadeo di Savoia gewidmet durchzieht das Werk eine sanfte Traurigkeit, die teilweise an Stimmungen der berühmten Oper Tosca erinnert.

(v.l.n.r.) Zusana Schmitz-Kulanova, Joowon Park, Roxana Tudorache; Johannes Hobbing

(v.l.n.r.) Zusana Schmitz-Kulanova, Joowon Park, Roxana Tudorache; Johannes Hobbing

Seinem Namensgeber widmete sich das Kammerorchester dann beim abschließenden Divertimento D-Dur KV 136 von Wolfgang Amadeus Mozart. Feinfühlig und spielerisch tänzelnd führte Reimann den ersten Satz. Im Andante leuchteten die zarten Terzen der Violinen im Kontrast zu den zart begleitenden tiefen Streichern. Virtuos und spritzig gelang das Finale und löste wiederum Begeisterungsstürme beim Publikum aus. Das Orchester bedankte sich mit dem Finalsatz aus dem F-Dur Divertimento KV 138.

 

 

Barocker Glanz in Zwillbrock

Montag, 8 . Juni 2009

Das Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in der Barockkirche Zwillbrock

Beim dritten Konzert der Konzertreihe “Sommer-Schlösser-Virtuosen” gastierte das Amadeus Kammerorchester Dortmund in der Barockkirche Zwillbrock. Vier Werke standen auf dem Programm und dieses Mal gab es einen deutlichen Schwerpunkt für den Barockmeister Johann Sebastian Bach

Barocke Pracht

Barocke Pracht

Zu Beginn eröffnete das Orchester unter der Leitung von Felix Reimann mit der dritten Streichersinfonie in e-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Sie hebt sich von den ersten beiden Sinfonien deutlich ab. Allein schon die moll Färbung und die satztechnische Führung zeigen bereits eine rasante kompositorische Entwicklung des nur 12 jährigen Komponisten. Virtuos spielte das Orchester die beiden stürmischen Ecksätze. Wie eine leichte Stille steht dazwischen der feine Andante Mittelsatz, den die Streicher in weichen Legatobögen ausgestalteten.

Martina Schilling

Martina Schilling

Mit Martina Schilling von der Oper in Dortmund hat die Carl Richard von Dörken Stiftung eine hervorragende Sopranistin ausgewählt. Mit ihre klaren und leuchtenden Stimme gestaltete sie gemeinsam mit dem Orchester die Hochzeitskantate “Weichet nur, betrübte Schatten”. Unerwartet dunkel und tief beginnt die Kantate mit einer beinahe schwermütigen - an die Matthäuspassion erinnernde - Orchestereinleitung. Anke Eilharth (Solooboe) legte die wunderbare Oboenkantilene geschmeidig über diese Düsternis und es entstand ein farbiges Wechselspiel zwischen Sopran und Oboe.

Die Welt wird wieder neu…

Dirk Nolte - Margit Erdelyi

Dirk Nolte - Margit Erdelyi

Die Welt wird wieder neu, heißt es in der Kantate, die mit abwechslungsreichen Arien und Rezitativen aufwartet. Der furiose Part des Basso continuo, Franziska Batzdorf (Cello) Ursula Hobbing (Cembalo) und Krzystof Siudmak (Fagott) spiegelte beeindruckend den reitenden Phoebus in Phoebus reitet mit schnellen Pferden. Geschmeidig und weich dagegen das Wechselspiel zwischen Sopran und Solovioline (Lucja Madziar) in der Arie Wenn die Frühlingslüfte streichen. Das Scherzen und Herzen der Arie Sich üben im Lieben gelang amüsant im Wechselspiel der Soprankantilenen und der keck umspielenden Solooboe (Anke Eilhardt).

Die engagierten Musiker des Amadeus Kammerorchester setzten nun mit Johann Sebatian Bachs 3. Brandenburgische Konzert fort. Das berühmte Konzert greift die Tradition des concerto grosso auf und ist für jeweils drei Dreiergruppen ausgelegt. So spielen drei Violinen, drei Violen und drei Violoncelli entweder vereint oder auch völlig kontrapunktisch zusammen. Begleitet werden die “Konzertierenden” vom Basso continuo. Federnd legten Reimann und die Musiker den Eröffnungssatz an und es war erstaunlich, wie intensiv der Klang der elf Instrumentalisten die Zwillbrocker Kirche füllten. Eine anmutige, kurze und schwebende Violinkadenz ist alles was uns Bach als zweiten Satz gönnt. Dann bricht der Sturm der aufbrausenden Sechzehntelketten im furiosen Schlusssatz los.

begeisterter Schlussapplaus in der gut besuchten Kirche

Begeisterter Schlussapplaus in der gut besuchten Kirche

Mit Mozarts leichtfüßigem Divertimento in F-Dur KV 138 endete das verhältnismäßig kurze Nachmittagskonzert. Das Amadeus Kammerorchester bedankte sich für den stürmischen Applaus diesmal mit einer Zugabe und spielte noch den berühmten Kopfsatz aus Mozarts Divertimento D-Dur  KV 136.

Mozart - Barber - Gershwin

Montag, 1 . Juni 2009

Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in Asbeck

Beim zweiten Konzert der Reihe Burgen-Schlösser-Virtuosen in der beinahe ausverkauften Stiftskirche Legden Asbeck spannte das Amadeus Kammerorchester Dortmund unter der Leitung von Felix Reimann einen weiten musikalischen Bogen von Mozarts Heiterkeit bis zu Barbers tragisch schönem Adagio für Streicher. Zunächst aber wurde  in der Fortführung des “Leitfadens Mendelssohn” dessen 2. Streichersymphonie in D-Dur vorgestellt. 

Mozarts Oboenkonzert in der Stiftskirche Asbeck

Mozarts Oboenkonzert in der Stiftskirche Asbeck

Die frühen Werke des 12 jährigen Felix Mendelssohn Bartoldy beeindrucken durch ihre Ideenvielfalt auch wenn hier und da noch satztechnische Klippen den jungen Komponisten erkennen lassen. Das Kammerorchester spielte die drei Sätze sehr differenziert - auffällig der zweite Satz eine Art Reminiszenz an Johann Sebastian Bach.Mit Samuel Barbers Adagio for strings ging das Kammerorchester ein Wagnis ein. Dieses berühmte Werk, das 2004 von BBC Hörern zum traurigsten klassischen Stück gewählt wurde,  in kleiner Besetzung zu spielen ist eine große Herausforderung. Doch das vielschichtige melancholische Klanggewebe des amerikanischen Komponisten gelang vorzüglich und füllte die Stiftskirche mit schwebenden Klängen. 

Stephanie Treichl

Stephanie Treichl

Mozarts Oboenkonzert in C-Dur ist ein Werk der mittleren Schaffensperiode des Salzburger Genies. Das ursprünglich 1777  für den Mannheimer Oboisten Friedrich Ramm komponierte Konzert ist der jungen österreichischen Oboistin Stephanie Treichl wie auf den Leib geschrieben. Ihr feiner und gleichzeitig warmer Oboenton verbindet sich mit einer spielerischen Leichtigkeit, die man sich für Mozart wünscht. Geradezu gesanglich gestaltete sie den zweiten Satz, der attacca in das Rondo übergeht, dessen Haupttema Mozart wiederum für die Arie des Blondchen Welche Wonne welche Lust in der Entführung aus dem Serail verwendete. Und es war wahrlich ein Wonne diese junge Solistin im Zusammenspiel mit dem agil und vital begleitenden Amadeus Kammerorchester zu erleben.

Anschließend stand nochmals das Werk eines Amerikaners auf dem Programm. George Gershwins Kleinod “Lullaby” - als Streichquartett konzipiert - gewinnt durch den orchestralen Klang ungemein. Mit faszinierenden Klangeffekten (Flagiolet Töne, bei denen der Streicher den Finger nur leicht auf die Saite auflegt) erzeugt Gershwin eine Art Glasharfeneffekt. Und dieser war in der Interpretation des Amadeus Kammerorchester wirklich atemberaubend. Geradezu spärisch und beinahe unwirklich entstand eine leichte und duftige Musik und bildete so widerum einen großen Kontrast zu Barbers Tristess.

Mit Mozarts Sinfonie B-Dur KV 182 schloß das festliche Nachmittagskonzert. Ergänzt um zwei Oboen und zwei Hörnern erschien der Klang des Kammerorchesters nun geradezu sinfonisch. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen und war sich einig, die vitale Spielfreude des Orchesters und seines Dirigenten Felix Reimann macht Lust auf mehr.

Musiker nach dem Konzert
Die “Bassgruppe” nach dem Konzert (v.l.n.r.) Ji Eun Kim, Bernhard Schwarz, Tomoko Tadoro