Archiv für Juni 16th, 2009

Ein Gefühl von Sanssouci

Dienstag, 16 . Juni 2009

Das Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in der Wasserburg Anholt

Groß war der Andrang des Publikums beim vierten Konzert des Amadeus Kammerorchester Dortmund unter der Leitung seines Dirigenten Felix Reimann in der Reihe Sommer-Schlösser-Virtuosen. So groß, dass etliche Besucher leider keine Karten mehr ergattern konnten.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersinfonie Nr. 4, e-moll eröffnete das Orchester auch dieses Mal mit einem Frühwerk des Romantikers. Dabei ist diese Sinfonie noch ganz in der Tradition der Barockmusik - ein Studie des Zwölfjährigen - möglicherweise stand hier sogar Bach Pate, der ja im Hause Mendelssohn äußerst verehrt und viel musiziert wurde. Mit einem stolzen Grave im doppelpunktierter Manier beginnt der Kopfsatz und setzt mit einem fugaten von Tonleiterketten durchzogenen Allegro fort. Im folgenden Andante erfand der junge Komponist eine schier nie enden wollende Melodie, die sich schwebend auf einem lichten Gewebe von wiegenden Streicherakkorden fortbewegt. Der strenge und gleichzeitig stürmische Finalsatz fordert - durch eine Vielzahl an halsbrecherischen Trillern - höchste Virtuosität. Das Kammerorchester bewies auch hier wieder sein spieltechnisch hohes Niveau. 

ein Hauch von Sanssouci im Rittersaal zu Anholt

ein Hauch von Sanssouci im Rittersaal zu Anholt

Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert d-moll für Oboe, Violine und Orchester BWV 1060 ist eines der berühmtesten Werke des Barockmeisters. Ein besonderes Glück ist, wenn alle anspruchsvollen Partien dieses Concerto grosso bestens besetzt wurden wie bei diesem Konzert. Die beiden jungen Solisten Stephanie Treichl (Oboe) und Andrey Rozendent (Violine) spielen mit jugendlicher Frische und einem Selbstverständnis, daß es einem beinahe den Atem raubt. Das Orchester ließ sich nicht bitten und so wurde das Concerto zu einem berauschenden Bacherlebnis.

Barbara Kortmann (Flöte)

Barbara Kortmann (Flöte)

Wo könnte man sich Johann Joachim Quantz Konzert für Flöte besser vorstellen, als im reichbebilderten Rittersaal der Wasserburg Anholt? Quantz - Lehrer von Friedrich dem Großen in Sanssouci - komponierte dieses Werk für den Preussenkönig und viele Konzertbesucher hatten sicherlich das berühmte Menzelbild vor Augen, auf dem man den König zwischen Kerzenleuchtern spielen sieht (Quantz steht auf Menzels Bild übrigens ganz rechts außen.) Mit Barbara Kortmann (Flöte) hatte man auch für dieses Konzert eine Meisterin ihres Instrumentes gewinnen können. Mit innigem Körpereinsatz spielt sie virtuos und gestaltete die drei Sätze differenziert mit einem flexiblen Flötenton.

Einen innigen Moment erreichte das Konzert mit Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria Puccinis “I Crisantemi”. Das ursprünglich für Streichquartett vorgesehene Werk eignet sich wunderbar für das zarte Streichergewebe des Amadeus Kammerorchesters. Dem Grafen von Aosta Amadeo di Savoia gewidmet durchzieht das Werk eine sanfte Traurigkeit, die teilweise an Stimmungen der berühmten Oper Tosca erinnert.

(v.l.n.r.) Zusana Schmitz-Kulanova, Joowon Park, Roxana Tudorache; Johannes Hobbing

(v.l.n.r.) Zusana Schmitz-Kulanova, Joowon Park, Roxana Tudorache; Johannes Hobbing

Seinem Namensgeber widmete sich das Kammerorchester dann beim abschließenden Divertimento D-Dur KV 136 von Wolfgang Amadeus Mozart. Feinfühlig und spielerisch tänzelnd führte Reimann den ersten Satz. Im Andante leuchteten die zarten Terzen der Violinen im Kontrast zu den zart begleitenden tiefen Streichern. Virtuos und spritzig gelang das Finale und löste wiederum Begeisterungsstürme beim Publikum aus. Das Orchester bedankte sich mit dem Finalsatz aus dem F-Dur Divertimento KV 138.