Archiv für Februar, 2011

Mozart bei -30°C in Ulanbator

Donnerstag, 3 . Februar 2011

Kooperationsprojekt zwischen dem
Amadeus Kammerorchester Dortmund und der
Staatsoper der Mongolei.

Der Start ist gemacht.

Am 08. Januar 2011 fand im ausverkauften staatlichen Opernhaus der Mongolei “die Zauberflöte” unter der musikalischen Leitung von Felix Reimann statt. Mit von der Partie Bratscher Johannes Hobbing, der im Sinfonieorchester der Oper der Mongolei mitwirkte.

Sehen Sie hier den Bericht der WDR Lokalzeit Dortmund (31.01.2011)
Angefangen hatte alles im Sommer 2010 als Felix Reimann eine Delegation der mongolischen Opernsänger auf einer Deutschlandtour persönlich kennenlernte. Johannes Hobbing und Felix Reimann reisten daraufhin im September 2010 zu intensiven Vorgesprächen nach Ulanbator. Die Idee ein langfristiges Kooperationsprojekt zwischen dem Amadeus Kammerorchester Dortmund und der Staatsoper der Mongolei zu entwickeln stieß auf offene Ohren.
Als Beginn dieser Kooperation wurden beide Musiker eingeladen im Januar 2011 mit dem Ensemble und dem Orchester der Staatsoper die Wiederaufnahme der Zauberflöte in einer Galavorstellung am 08. Januar 2011 zu realisieren.

Dortmunder dirigiert die Zauberflöte in der Mongolei

Donnerstag, 3 . Februar 2011

Westfälische Rundschau Kultur, 13.01.2011, Anja Schröder

Woran denken Sie beim Stichwort Mongolei? Auf keinen Fall auf Anhieb an Mozarts Zauberflöte, oder? Felix Reimann und Johannes Hobbing werden sie eines Besseren belehren. Die beiden Dortmunder Musiker haben im ältesten Opernhaus Ostasiens in Ulan Bator „The magic flute“ dirigiert und gespielt. Eine Premiere.

Staatsoper der Mongolei

Staatsoper der Mongolei

Zu Beginn war es nur der Zufall, der mitspielte. Sänger der mongolischen Staatsoper zu Gast in Köln, man kam ins Gespräch. Eine Einladung nach Dortmund? Schnell, sagt Felix Reimann, Dirigent des Amadeus Kammerorchesters, stellte sich heraus, dass die Mongolen sich durchaus auch deutsche „Nachhilfe“ in ihrem Heimatland wünschen würden. Hobbing und Reimann, Bratschist und Soloflötist auch bei den Dortmunder Philharmonikern, waren die künstlerische Vorhut. – Und beeindruckt. „Ein Land, vierfach so groß wie Deutschland, mit knapp 2,6 Millionen Einwohnern…“ Fast die Hälfte davon leben in Ulan Bator, oder auch Ulaanbaatar. „Da ballt sich die Kultur“, klingt Hobbing regelrecht atemlos: „Theater, Film… eine unfassbare Musikermenge und -güte“. Die kulturelle Erziehung: russisch beeinflusst, jetzt gehe der Blick verstärkt nach Deutschland. „Viele sprechen Deutsch“ – ein Einfluss der ehemaligen DDR.

 

Johannes Hobbing im Orchester

Johannes Hobbing im Orchester

Beeindruckend auch: Die Temperaturen. Minus 30 Grad – aber bei Arbeitstagen von an die zehn Stunden sei das letztlich nicht mehr so aufgefallen. Denn die beiden hatten nur wenige Tage, um mit dem mongolischen Staatsensemble und - orchester die Zauberflöte einzustudieren – mit deutschen Texten. Reimann lacht. Die Mongolen hätten eine viel rauere Aussprache, etwas abgehackt. Da den melodiösen Fluss – „Der Vo -gel-fän-ger bin ich ja…“ – zu formen… Aber er winkt ab: „Die Musiker und Sänger sind neugierig, lernen schnell – das war faszinierend!“ Und sie seien zu einem Großteil wirklich gut. Was sich nicht im Verdienst spiegelt: Bei maximal 250 Dollar im Monat müssen sich alle mit Nebenjobs durchkämpfen. Die Gastgeschenke des Amadeus Kammerorchesters, Zubehör für die Instrumente, seien deshalb besonders gut angekommen.

 

"Die Strahlen der Sonne"

"Die Strahlen der Sonne"

Jede Minute hatten sie genutzt. Reimann als Dirigent, Hobbing als Instrumentalcoach an der Bratsche. Hatten mit so unwirklichen Problemen wie fehlenden Umlauten in der Übersetzung des russischen Text- und Notenmaterials gekämpft. „Die ‘Furstin’ klingt eben doch komisch…“ Dann dirigierte Reimann im Opernhaus – übrigens vom deutschen Architekten Gerhard Kosel, der auch Alexanderplatz und Fernsehturm in Berlin verantwortet, gebaut – eine ausverkaufte und gefeierte Premiere.

Königin der Nacht

Königin der Nacht

Jetzt haben sie Blut geleckt, auf beiden Seiten. Die nächste Einladung für Oktober steht bereits. Mozarts „Don Giovanni“, auf Italienisch. Da allerdings wollen die Dortmunder noch zwei, drei weitere Musiker mit im Boot, besser: Flugzeug haben, als Einzeltrainer für die Instrumentalisten. Und später ein eigenständiges Projekt aufziehen. Musik schließlich überwindet Grenzen. Und allemal die 8000 Kilometer zwischen Dortmund und Ulan Bator.

Mozart in der Mongolei

Donnerstag, 3 . Februar 2011

DORTMUND. Für sein Mozart-Spiel ist das Amadeus Kammerorchester, ein Zusammenschluss von Profi-Musikern aus NRW-Orchestern mit Sitz in Dortmund, berühmt. Jetzt auch in Ulan Bator.

Ruhrnachrichten: Julia Gaß

Dirigent Felix Reimann und Johannes Hobbing, Bratschist bei den Dortmunder Philharmonikern, haben Mozart in die Mongolei gebracht und in der Staatsoper in Ulan Bator, dem ältesten Opernhaus Ostasiens, die “Zauberflöte” aufgeführt.

Große Neugier 

Ouvertüre der Zauberflöte

Ouvertüre der Zauberflöte

Für die Sänger und Instrumentalisten in dem Land, das vier Mal so groß wie Deutschland ist, aber nur 2,6 Millionen Einwohner hat, war das Neuland. Die deutschen Texte, die Musik, das klassische Spiel. Die Dortmunder hatten viel zu feilen, stießen aber große Neugier und Begeisterung. Gefeiert wie Stars wurden die Mozart-Experten aus NRW, vom Fernsehen interviewt und mit überschwänglicher Herzlichkeit hofiert. 

Drei Fernsehstationen berichten...

Drei Fernsehstationen berichten...

Nur fünf Tage hatten die Dortmunder Zeit für neun Proben - bei minus 30 Grad Außentemperatur. “Wir waren erst skeptisch, aber das Projekt hat zu so viel Begeisterung und Kreativität geführt”, erzählt Reimann. “Die Sehnsucht nach westlicher Kultur ist in der Mongolei unheimlich groß”, hat Hobbing gemerkt.

Kooperation geplant 

 

Schlussapplaus

Schlussapplaus

In einer zauberhaften Inszenierung, mit prächtigen Kostümen, guten Sängern und einem Orchester, das schnell gelernt hat, wie Mozart-Phrasierung klingen muss, ist die “Zauberflöte” im ausverkauften Haus gefeiert worden. 

Ensemble mit fantasievollen Kostümen

Ensemble mit fantasievollen Kostümen

Die nächste Einladung steht: “Don Giovanni” im Oktober. Aber auch Konzerte mit den mongolischen Sängern in NRW kann sich das Amadeus Kammerorchester vorstellen. Die Suche nach Sponsoren und Partnern bei der Deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut hat begonnen. Ein Sponsor hat Interesse bekundet und gesagt: “Sie haben einen Sonnenschein nach Ulan Bator gebracht.”