Der Abschied kam in Raesfeld

Das Amadeus Kammerorchester Dortmund
zu Gast in Schloss Raesfeld

Beim letzten Konzert der Reihe Sommer-Schlösser-Virtuosen spielte das  Amadeus Kammerorchester Dortmund unter der Leitung von Dirigent Felix Reimann ein überwiegend klassisches Programm im ausverkauften Rittersaal von Schloss Raesfeld.

Nach den frühen Streichersinfonien 1 - 4 von Felix Mendelssohn Bartholdy in den vorangegangenen Konzerten, hatte man für dieses Konzert seine Streichersinfonie Nr. 8 D-Dur aufgelegt. Die bedeutend umfangreichere viersätzige Sinfonie zeigt einen gewaltigen Entwicklungssprung des 12-jährigen Felix Mendelssohn. Wiederum erstaunlich die Ideenvielfalt innerhalb der einzelnen Sätze. Die beiden virtuosen Ecksätze umrahmen ein erstaunlich dunkles und trauriges Adagio, das allein den tiefen Streichern vorbehalten ist - sowie ein Menuetto, das im Trio ebenfalls durch ein furioses Zwischenscherzo völlig aus dem zu erwartenden Rahmen fällt. Das Amadeus Kammerorchester spielte intonatorisch sicher mit meisterlicher Eleganz.
 

Paolo Mendes spielt Haydns 1. Hornkonzert D-Dur

Paolo Mendes spielt Haydns 1. Hornkonzert D-Dur

Mit Paolo Mendes präsentierte die Carl-Richard von Dörkenstiftung wiederum ein Star von Morgen. Der junge Hornist, der bereits zahlreiche internationale Preise gewonnen hatte, spielte das erste Hornkonzert von Joseph Haydn mit sensibler Leichtigkeit. Sein klarer Ton trug ebenso wie das filigrane Spiel des begleitenden Orchesters dazu bei, daß das Konzert wie lichtdurchflutet erschien. Das Konzert belegt außerdem die große Meisterschaft Haydns spezifische Instrumenteneigenschaften als natürlichen Bestandteil einer völlig neuartigen Musik zu integrieren. Das Publikum dankte dem jungen Solisten mit stürmischem Applaus.

Mozarts Konzert Es-Dur KV 271 wird fälschlicherweise das “Jeunehomme” Konzert genannt. Auf Grund von historischen Übertragungsfehlern ging man lange von diesem Namen aus. Mitlerweile weiß man aus einem Brief Mozarts an seinen Vater von 1777, daß er selbst das Konzert “Jenomy” nannte. Dies bezieht sich nach dem Mozartforscher Dr. Lorenz auf die Tochter des Mozartfreundes Jean George Noverre, Victoire Jenamy.

Amina Taikenowa - Klavier

Amina Taikenowa - Klavier

Amina Taikenowa, die zum zweiten Mal in Raesfeld auftrat, spielte das Konzert brillant und mit einem leichten Mozartanschlag. Die junge Russin legte den zweiten Satz sehr träumerisch an, ging dann aber um so spielfreudiger und virtuos an den - von Mozart mit so unglaublich ideenreichen Eingängen und Kadenzen - ausgestatteten Finalsatz heran. Das Orchester und sein Leiter Felix Reimann bewiesen auch hier wieder äußerst feinfühlige Begleitqualitäten und präsentierten beinahe sinfonischen Klang in den ausladenden Orchesterzwischenspielen. 

Der Abschied kam in Raesfeld

Offensichtlich, um sich von der gelungenen Konzertreihe gebührend zu verabschieden, hatte das Orchester zum Abschluss des Konzertes Joseph Haydns Sinfonie Nr. 45 fis-moll aufs Programm gesetzt. Diese  Sinfonie ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Schon die Tonart fis-moll ist einzigartig und der Kopfsatz überrascht durch sein dramatisch absteigendes Akkordmotiv und die dagegengestellten Synkopen, die dem Satz etwas verzweifelt peitschendes geben. Bewußt stellten die Musiker den Gegenastz zum zweiten Thema des Kopfsatzes her, das in klagender Manier wie ein unabhängiges Intermezzo dasteht. Der langsame Satz, mit sordini bei den hohen Streichern - fahl im Klag, wirkt wie eine Traumsequenz. Wunderbar dann die Bläser im leichtfüßigen Menuet. Haydn unterbricht dann das Finale presto plötzlich mit einem scharfen Akkord auf der Dominante - nur das Horn spielt einen Signalton und jetzt folgt wiederum ungewöhnlich ein Abschluss Adagio in einer neuen Tonart. Hierbei verlassen nun nach und nach alle Musiker das Podium, die Musik verabschiedet sich im wahrsten Sinne des Wortes bis schließlich die beiden Soloviolinen das Konzert beenden. Mit diesem musikalischen Experiment konnte seinerzeit Haydn dem Fürsten Esterhazy klarmachen, daß es Zeit war den Musikern Urlaub zu geben, um die daheim verweilenden Familien wiederzusehen. Das teilweise überraschte Publikum in Raesfeld reagierte amüsiert und mit frenetischem Applaus.   

 

Begeisterter Schlssapplaus im ausverkauften Rittersaal

Begeisterter Schlssapplaus im ausverkauften Rittersaal

Dirigent Felix Reimann bedankte sich beim Kreis Borken und der Carl Richard von Dörken Stiftung für die Ausrichtung der Reihe und ließ zum Abschluss ein weiteres Mal schmunzeln bei Johann Strauss’ Pizzicatopolka.

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