Dortmunder dirigiert die Zauberflöte in der Mongolei

Westfälische Rundschau Kultur, 13.01.2011, Anja Schröder

Woran denken Sie beim Stichwort Mongolei? Auf keinen Fall auf Anhieb an Mozarts Zauberflöte, oder? Felix Reimann und Johannes Hobbing werden sie eines Besseren belehren. Die beiden Dortmunder Musiker haben im ältesten Opernhaus Ostasiens in Ulan Bator „The magic flute“ dirigiert und gespielt. Eine Premiere.

Staatsoper der Mongolei

Staatsoper der Mongolei

Zu Beginn war es nur der Zufall, der mitspielte. Sänger der mongolischen Staatsoper zu Gast in Köln, man kam ins Gespräch. Eine Einladung nach Dortmund? Schnell, sagt Felix Reimann, Dirigent des Amadeus Kammerorchesters, stellte sich heraus, dass die Mongolen sich durchaus auch deutsche „Nachhilfe“ in ihrem Heimatland wünschen würden. Hobbing und Reimann, Bratschist und Soloflötist auch bei den Dortmunder Philharmonikern, waren die künstlerische Vorhut. – Und beeindruckt. „Ein Land, vierfach so groß wie Deutschland, mit knapp 2,6 Millionen Einwohnern…“ Fast die Hälfte davon leben in Ulan Bator, oder auch Ulaanbaatar. „Da ballt sich die Kultur“, klingt Hobbing regelrecht atemlos: „Theater, Film… eine unfassbare Musikermenge und -güte“. Die kulturelle Erziehung: russisch beeinflusst, jetzt gehe der Blick verstärkt nach Deutschland. „Viele sprechen Deutsch“ – ein Einfluss der ehemaligen DDR.

 

Johannes Hobbing im Orchester

Johannes Hobbing im Orchester

Beeindruckend auch: Die Temperaturen. Minus 30 Grad – aber bei Arbeitstagen von an die zehn Stunden sei das letztlich nicht mehr so aufgefallen. Denn die beiden hatten nur wenige Tage, um mit dem mongolischen Staatsensemble und - orchester die Zauberflöte einzustudieren – mit deutschen Texten. Reimann lacht. Die Mongolen hätten eine viel rauere Aussprache, etwas abgehackt. Da den melodiösen Fluss – „Der Vo -gel-fän-ger bin ich ja…“ – zu formen… Aber er winkt ab: „Die Musiker und Sänger sind neugierig, lernen schnell – das war faszinierend!“ Und sie seien zu einem Großteil wirklich gut. Was sich nicht im Verdienst spiegelt: Bei maximal 250 Dollar im Monat müssen sich alle mit Nebenjobs durchkämpfen. Die Gastgeschenke des Amadeus Kammerorchesters, Zubehör für die Instrumente, seien deshalb besonders gut angekommen.

 

"Die Strahlen der Sonne"

"Die Strahlen der Sonne"

Jede Minute hatten sie genutzt. Reimann als Dirigent, Hobbing als Instrumentalcoach an der Bratsche. Hatten mit so unwirklichen Problemen wie fehlenden Umlauten in der Übersetzung des russischen Text- und Notenmaterials gekämpft. „Die ‘Furstin’ klingt eben doch komisch…“ Dann dirigierte Reimann im Opernhaus – übrigens vom deutschen Architekten Gerhard Kosel, der auch Alexanderplatz und Fernsehturm in Berlin verantwortet, gebaut – eine ausverkaufte und gefeierte Premiere.

Königin der Nacht

Königin der Nacht

Jetzt haben sie Blut geleckt, auf beiden Seiten. Die nächste Einladung für Oktober steht bereits. Mozarts „Don Giovanni“, auf Italienisch. Da allerdings wollen die Dortmunder noch zwei, drei weitere Musiker mit im Boot, besser: Flugzeug haben, als Einzeltrainer für die Instrumentalisten. Und später ein eigenständiges Projekt aufziehen. Musik schließlich überwindet Grenzen. Und allemal die 8000 Kilometer zwischen Dortmund und Ulan Bator.

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